Delphi – Mythologie und antikes Orakel

Delphi – Mythologie und antikes Orakel

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In Griechenland stolpert man ja bekanntlich an allen Ecken und Enden über Monumente der Antike und wir haben uns einige davon angesehen.
Das für uns vielleicht Beeindruckendste und Mystischste war die Ausgrabungsstätte von Delphi. Sie liegt im Süden Mittelgriechenlands, nördlich des Golf von Korinth und wurde über 300 Höhenmeter an einen Berghang des Parnass Gebirges gebaut mit wundervollem Ausblick auf die umgebende Landschaft und ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe.

Sowohl ihre Lage als auch die mythologischen Geschichten und nicht zuletzt das berühmte Orakel von Delphi machen die Stätte besonders spannend!

Delphi galt in vergangenen Zeiten als Zentrum und Nabel der Welt!
Eine der antiken Mythen besagt, dass Göttervater Zeus je einen Adler von den entgegengesetzten Enden der Welt aufsteigen ließ und die beiden sich in Delphi wieder trafen. Der Ort ihrer Landung wurde fortan als Mittelpunkt, Omphalos (griechisch für „Nabel“) der Welt angesehen und durch einen phallischen Kultstein, der wiederum als Meteor vom Himmel gefallen sein soll, markiert!

Im Griechischen bedeutet das Wort  „delphys“ „Gebärmutter“.
Der ursprüngliche Name der Stätte war jedoch bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. Pytho.
Die mythologische Geschichte hierzu erzählt, dass die Erdmutter Gaia die geflügelte Schlange Python gebar. Diese prophezeite sich selbst, dass sie dereinst von Apollon (Sohn des Zeus, Gott des Lichts, der Heilung, der Weissagung und der Künste) getötet werden würde und zog deshalb los um Leto, Apollons Mutter zu töten, was jedoch misslang. So gebar Leto Apollon und seinen Zwillingsbruder Artemis und Apollon tötete Phyton dort wo heute Delphi liegt….

Die Kultstätte war nicht nur Sitz des Orakels sondern beherbergte auch diverse Schatzhäuser mit Kostbarkeiten großen Wertes. Nicht zuletzt deshalb gab es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft und diverse Herrscher wechselten sich durch die Jahrhunderte ab.

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Auch die Tatsache, dass das berühmte Orakel von den Mächtigen und Einflussreichen des gesamten Mittelmeerraumes zu politischen Fragen konsultiert wurde und die Priester des Orakels damit über die unterschiedlichsten Pläne und Geheimnisse Informationen erhielten, steigerte die Bedeutung dieses Ortes.

Ausserdem wurden hier die Pythischen Spiele abgehalten. Nach den Olympischen Spielen die zweitgrößten panhellenischen Wettkämpfe der Antike. Sie begannen als musikalische Wettkämpfe, bei denen der beste Sänger zu den Klängen des Saiteninstrumentes Kithara geehrt wurde, später kamen dann weitere musische und sportliche Disziplinen dazu.

In römischer Zeit kam es dann zu einem zunehmenden Verlust der Bedeutung der Stätte, Kaiser Nero klaut sich noch einige hundert Statuen, um sein eigenes Reich zu verschönern und der christliche Kaiser Theodosius I. besiegelte dann 392 n. Chr. das Ende von Delphi, als er alle heidnischen Kulte in seinem Einflussgebiet verbot!

Danach bestand der Ort als Teil der Siedlung Delphi weiter, verfiel jedoch zunehmend bis  französische Archäologen 1892 mit Ausgrabungen begannen.

Das Fassbare, Weltliche was man heute in der Ausgrabungsstätte sehen kann sind die  Reste der Tempel und Schatzhäuser in mehreren Ebenen, die sich unter dem großartigen Amphitheater, entlang der „heiligen Strasse“ gruppieren. Etwas Abseits liegt das große Stadion, in dem u.a. die sportlichen Wettkämpfe der Pythischen Spiele abgehalten wurden.

Im angeschlossenen Museum kann man die teils unglaublich gut erhaltenen Funde der Stätte bestaunen! Unter anderem den „Nabel der Welt“…

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Viel spannender finde ich jedoch die mythischen Geschichten um das berühmte Orakel von Delphi….
Weissagungsstätten gab es überall im antiken Griechenland und durch alle Gesellschaftsschichten hindurch war es üblich, keine bedeutenden Entscheidungen ohne die vorherige Befragung eines Orakels zu treffen.

Die bei weitem wichtigste Stätte war jedoch Delphi! Es ist auf die Verehrung der Mutter der Welt, Gaia, zurückzuführen, dass der Gott der Weissagung Apollon in Delphi durch eine Frau, eine Priesterin, genannt Pythia, vertreten war. Sie war die einzige Frau, die das Heiligtum betreten durfte.

Zu den Ritualen wurde sie von zwei männlichen Oberpriestern begleitet. Nachdem sie in einer heiligen Quelle gebadet und aus einer anderen heiliges Wasser getrunken hatte saß sie im Apollon-Heiligtum auf einem Dreifuss über einer Erdspalte und atmetet wohl halluzinogen wirkende Erd-Dämpfe ein, die sie in Trance versetzten.

Das Orakel konnte immer am 7. Tag des Monats befragt werden, jedenfalls während des Sommers…Im Winter machen Götter aber wohl Ferien, so dass Apollon nicht da war und das Orakel 3 Monate Betriebsferien hatte. Und manchmal fiel es auch ganz aus, nämlich immer dann, wenn eine Ziege, die als Omen-Tier galt, sich nicht bewegte wenn man sie mit kaltem Wasser bespritzte! Kluge Tiere hielten vermutlich still, denn wenn sie zuckten wurden sie zur Eröffnung der Orakel-Zeremonie auf dem Altar geopfert.

Und auch vor den Göttern waren damals nicht alle Menschen gleich. Reiche Rat-Suchende beriet das Orakel in Person der Pythia persönlich und gab ausführliche, wenn auch meist unverständliche, verworrene Weissagungen auf die gestellten Fragen. Diese wurden dann vermutlich von den Priestern gedeutet und übersetzt. Die Ärmeren durften nur Ja/Nein-Fragen stellen und die Priesterin zog aus einem Topf eine schwarze oder weiße Bohne, was dann ja oder nein bedeutete.

Die tiefere Philosophie des Orakels soll in den schriftlich überlieferten beiden Inschriften versteckt sein, die wohl am Eingang des Tempels angebracht waren: „Erkenne dich selbst“ und „Nichts im Übermaß“. Mit der ersten sollte darauf hingewiesen werden, dass die Lösung individueller Probleme durch die Auseinandersetzung mit der eigenen, inneren Persönlichkeit, der „Innenwelt“ dazu diente eine Problemlösung in der „Außenwelt“ zu erwirken.

Die zweite Inschrift verkörpert eine der platonischen Grundlehren und ist Teil der Überzeugung des antiken griechischen Denkens . Sie mahnt zur Bescheidenheit im eigenen Handeln.
Gefunden wurden die Inschriften allerdings nie….

Und wenn man sich die folgenden Beispiele für Weissagungen des Orakels anschaut, scheinen diese nicht nur mythologischer Natur gewesen zu sein, sondern tatsächlich das damalige politische Geschehen vorhergesehen und beeinflusst zu haben.

Der berühmt berüchtigte Werdegang von Ödipus soll vom Orakel prophezeit worden sein. Der Versuch der Weissagung zu entkommen führte zu deren Erfüllung, er tötete den eigenen Vater und nahm die leibliche Mutter zur Frau!

König Krösus befragte das Orakel vor seinem Feldzug gegen die Perser. Das Orakel sagte vorher, dass er ein großes Reich zerstören werde. Voller Selbstsicherheit und vermutlich leichtsinnig durch die Vorhersage zog er in den Kampf…und verlor…und zerstörte damit sein eigenes großes Reich!

Eine ganz besondere Methode der Weissagung erhielt wohl Alexander der Große, der ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten von der Phytia wissen wollte, wie die Erfolgschancen seines großen Feldzugs 335 v. Chr. gegen die Perser stünden. Als die Priesterin ihm sagte, dass geschlossen sei und er wieder zu den von den Göttern bestimmten Zeiten kommen solle, hat er sie anscheinend an den Haaren aus dem Tempel gezerrt, woraufhin sie gerufen haben soll  „Lass ab von mir, du bist doch unüberwindlich, Junge!“ Darauf soll Alexander lapidar erwidert haben: „Jetzt habe ich meine Antwort!“… die Eroberung Persiens lief bekanntermaßen sehr erfolgreich für Alexander!

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Die Athener erhielten 480 v. Chr. in Zeiten der akuten Bedrohung durch die Perser vom Delphischen Orakel den Rat, ihre Stadt zu verlassen und mit hölzernen Mauern zu verteidigen. Der Feldherr Themistokles deutete die Aussage über hölzerne Mauern anscheinend richtig und bezog sie auf Schiffe und konnte so die Perser in der Seeschlacht von Salamis besiegen.

Der Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“, der auf Sokrates zurück gehen soll wird ebenfalls mit dem Orakel verknüpft, als dieses die Frage des Atheners Chairephon, ob es einen weiseren Menschen als Sokrates gebe mit „Nein“ beantwortete und Sokrates hierauf auf seine oben genannte Aussage verwies.

Und egal ob man sich nun für antike Stätten, griechische Mythologie, Geschichte oder keins davon interessiert, Delphi ist absolut einen Besuch wert!! Am Besten früh morgens oder spät abends ausserhalb der Hochsaison, dann kann man in den vollen Genuss der mystischen  Atmosphäre dieses Ortes kommen…

AUSGRABUNGSSTÄTTE ANTIKES DELPHI & ARCHÄOLOGISCHES MUSEUM

33054 Delfi , Griechenland
Tel.: +30 22650 82312-3, 82346
Öffnungszeiten (Stand Sommer 2016):

April – Oktober täglich 8:00-20:00
November – März täglich 8:00 -15:00

(Achtung: Angaben unterschiedlicher offizieller Quellen unterscheiden sich!!)

Tickets (Stand Sommer 2016):

Antike Stätte + Museum     12€
Ermäßigt                                  6€

Freier Eintritt

für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Studenten in der EU mit Ausweis

Ausserdem für alle an folgenden Tagen:

6.März, 18.April, 18.Mai, letztes September Wochenende, 28.Oktober, jeder 1. Sonntag im Monat von November – März