Nestos- und Vikos-Schlucht – 2 Highlights Nordgriechenlands

Nestos- und Vikos-Schlucht – 2 Highlights Nordgriechenlands

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Denkt man an Griechenland als Urlaubsdestination, fallen einem wahrscheinlich zuerst Inseln mit weißen Dörfern am türkisfarbenen Meer und antike Stätten ein. Gegenden wie man sie jedoch im inländischen Nordgriechenland findet, werden eher selten damit assoziiert. Hier in den Provinzen des Nordens, die an Albanien, Mazedonien, Bulgarien und die Türkei angrenzen, beherrschen eher gebirgige, wenig besiedelte Regionen das Bild. Und man findet herrliche Berglandschaften, in denen man eine riesige Anzahl von Wanderungen unternehmen kann!

Im Westen liegt das in Nord-Süd-Richtung verlaufende Pindos-Gebirge mit Gipfeln bis über 2600m und die Region der Zagorochória, im Osten der griechische Teil der Rhodopen, die zu über 80% in Bulgarien liegen und übrigens auch dort wunderschön sind!

In beiden Regionen findet sich je eine absolut besuchenswerte Schlucht, jede für sich eigen und besonders!

Die erste ist die Nestos-Schlucht.

In Bulgarien entspringt im ebenfalls wunderschönen Rila-Gebirge der Fluss Mesta, der in Griechenland Nestos genannt wird und hier einer der 5 Längsten des Landes ist. Er bildet die Grenze zwischen den Regionen Makedonien im Westen und Thrakien im Osten und mündet gegenüber der Insel Thassos in einem großen, sehr artenreichen Delta in die Ägäis.

Südlich des Ortes Stavroupolis hat er sich in eine Schlucht gegraben, die nicht unbedingt wegen ihrer Tiefe besonders ist, sondern mehr wegen des idyllischen Verlaufs des Flusses, der sich in mehreren Windungen wie eine Schlange durch die grüne Landschaft zieht.

www.bergeundmeer.de

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten die Schlucht und den Fluss zu erleben.  Für die Bequemen und Fusskranken gibt es die Option den Zug zu nehmen, der sich entlang des Berghanges durch die Schlucht windet und immer wieder fantastische  Ausblicke liefert! Er startet in Toxotes und man kann z. B. von Toxotes bis Paranesti oder Stavroupolis und zurück fahren.

Wer das Ganze lieber zu Fuss angeht findet einen anfangs schön angelegten, später zunehmend verwilderten Wanderweg, den man ohne größere Anstrengung gehen kann.  Er startet an einem großen Wanderparkplatz ca. 2km westlich von Toxotes (N41° 05′ 33.4″ E24° 45′ 35.7“). Der Weg führt flussaufwärts oberhalb des Tales am Hang entlang und folgt ungefähr der Bahnlinie. Man muss allerdings auf dem selben Weg auch wieder zurück. Wir haben uns für diese Variante entschieden und einen gemütlichen „Spaziergang“ mit immer wieder tollen Ausblicken genossen…

Eine weitere Option die Schlucht zu erkunden ist eine Kanutour! Der recht ruhig dahin fließende Nestos eignet sich hervorragend dafür und es gibt mehrere Organisationen die Kanus verleihen und/oder geführte Touren anbieten. Eine davon ist Riverland Outdoor Activities (+30 2541 062488; www.riverland.gr), die zeitweise auch direkt am Flussufer präsent sind und von denen wir viel Gutes gehört haben.

Und wenn man mit dem eigenen Transportmittel unterwegs ist lohnt sich definitiv noch der Weg zum ultimativen Aussichtspunkt, von dem aus man die Schlange des Nestos perfekt bewundern kann und in die andere Richtung gen Ägäis und Insel Thassos blicken!

Man folgt der teils weg gebrochenen, aber ausreichend gut befestigten Strasse von Toxotes Richtung Stravroupoli, die sich in Serpentinen die Hänge bis auf knapp 900m hinauf windet und einen atemberaubenden Blick auf die Ägäis im Süden bietet. Hinter einem abgeratzten Ziegenstall kann man parken und die letzten Meter zu Fuss zum Aussichtspunkt mit kleinen Picknick-Pavillons hinauf steigen (N41° 07′ 01.9″ E24° 44′ 57.5“).

Ganz im Nord-Westen des Landes liegt die Region Epirus, die am dünnsten besiedelte und vielleicht auch die touristisch unterschätzteste Ecke Griechenlands…Die Region, in der man wundervolle Bergseen, bis zu 2600m hohe Berggipfel, ursprüngliche Dörfer mit Häusern aus Naturstein und Schiefer und auch die spektakuläre Vikos-Schlucht findet, nennt sich Zagorochória. Zagori bedeutet so viel wie “hinter den Bergen“. Und die Gegend konnte sich tatsächlich eine erstaunliche Ursprünglichkeit erhalten, vermutlich nicht zuletzt deshalb weil sie nur wenige und wenn dann einheimische Touristen anzieht. Vorbei an der Regionshauptstadt Ioannina und dem Pamvotida-See fährt man ins Gebirge.

Die Hauptattraktion dürfte die im Guinness-Buch der Rekorde als tiefste Schlucht der Welt eingetragene, ca. 12km lange Vikos-Schlucht sein. Der Rekord bezieht sich auf das Verhältnis zwischen größter Tiefe (knapp 1000m) und geringster Breite an den oberen Rändern. Die recht bröcklig erscheinenden Kalkwände stürzen fast senkrecht in die Tiefe  und wenn man auf einem der teils nicht gesicherten Aussichtspunkte steht, sollte man unbedingt schwindelfrei sein, denn ein mächtiges Gefühl scheint einen in der Tiefe anzuziehen…Die Hänge und der Talboden sind mit Buchen, Bergahorn, Linden und Walnussbäumen bewachsen und sowohl zu Land als auch in der Luft findet man seltene Tierarten, Geier, Adler, Wölfe und wohl auch noch einige Bären. Auf dem Weg dorthin kommt man an sandwich-artig geschichteten Kalkplattentürmen vorbei, die einen Wald aus Stein bilden.

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Die Schlucht erstreckt sich von Monodendri im Süden bis nach Vikos bzw. nach Papingo im Norden, verzweigt sich in mehrere kleine Nebenschluchten und bildet mit der Nebenschlucht Megas Lakkos ein mächtiges in die Berge geschnittenes Y!

Von 3 verschiedenen Aussichtspunkten aus hat man einen fantastischen Blick in die Schlucht :

Oxia /Vikos Balkon (N39° 54’ 23.8“ E 20° 45’ 6“), 5km hinter Monodendri über eine neu ausgebaute Strasse bis zu einem kleinen Parkplatz, von wo aus man in 5 Minuten zu Fuss zum Aussichtspunkt gelangt. Dieser ist am Ende schmal, nicht gesichert und führt direkt an der Kante der Schlucht entlang, also nichts für Leute mit Höhenangst!!

Beloi auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht. Hierher gelangt man vom Ort Vradeto aus.

Eine weitere Möglichkeit ist das Kloster Agia Paraskevi zu besuchen. Von hier aus hat man sowohl die Möglichkeit von gesicherten Bereichen aus, den Blick zu geniessen oder man ist wagemutig und begibt sich auf einen extrem schmalen, ausgesetzten, direkt aus dem senkrechten Felsen gehauenen Weg, der zu Höhlen führt, in denen sich früher die christliche Bevölkerung vor Angriffen der Osmanen versteckt hat. Dies ist aber sicher nur was für Hartgesottene, den ein falscher Schritt kann tatsächlich tödlich sein!!

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Es gibt ausserdem im ganzen Gebiet unzählige schöne, gut markierte Wanderwege. Viele von Monodendri, Vradeto oder Papingo aus wo man auch hübsche, urige Unterkünfte findet.

Eine Wanderung durch die Vikos-Schlucht ist ebenfalls in unterschiedlichen Varianten möglich. Von Monodendri aus in ca. 1 Std. steil bergab bis auf den Talboden. Dann entlang eines markierten Wanderpfades durch die Schlucht bis man in ca. 3,5–5 Std. die Mega-Lakko-Seitenschlucht erreicht. Von hier aus kann man entweder umkehren oder am rechten Ufer in etwa 2 Std. zum Dorf Megalo Papingo hochsteigen oder linker Seits in ca. 1,5h nach Vikos weiter wandern.

Man sollte sich vorher über die Konditionen informieren, denn als wir Ende August dort waren, führte der Fluss nach starken Regenfällen ungewöhnlich viel Wasser und die Durchwanderung der Schlucht wäre nur mit gefährlichen Kletterpartien oder ggf. mit einem ortskundigen Führer möglich gewesen.

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Wir müssen jedenfalls unbedingt nochmals hier her zurück kommen, die Schlucht durchwandern und auch der idyllisch gelegene Drakolimni/Drachensee im Tymfi-Massiv steht auf unserer To-Do-Liste für die nächsten Wanderjahre!!

Für Alle, die zum Wandern mal was anderes suchen, als die einschlägigen europäischen Destinationen kann man Nord- und Zentralgriechenland nur wärmstens empfehlen…Und im Sommer ist auch der nächste hübsche Strand nicht weit!!